Histörchen

Es werde Licht!



Das allererste Fußballspiel unter Flutlicht fand am 14. Oktober 1878 in
Sheffield statt – ein Jahr vor der Patentierung der elektrischen
Glühbirne durch Thomas Alva Edison. Zum Einsatz kamen seinerzeit
vier Kohlenbogenlampen.



Torflut in Glasgow



Der erste deutsche Club, der ein Endspiel im Europapokal der
Landesmeister (dem Vorläufer der Champions League) erreichte, war
1960 die SG Eintracht Frankfurt. Vor 120.000 Zuschauern im
Glasgower Hampden-Park unterlagen die Hessen mit dem bis heute
höchsten Ergebnis aller Finalspiele: Am Ende hieß es 7:3 (3:1) für Real
Madrid. Kurios: Es gab nur vier Torschützen: die Superstars Puskas (4)
und DiStefano (3) trafen für Real, Stein (2) und Kreß bescherten der
Eintracht drei Ehrentreffer.



Farbenspiele




Hannover 96 hat die Vereinsfarben Schwarz, Weiß und Grün. Dennoch
spielt der „kleine HSV“ traditionell im roten Trikot. Der Grund dafür liegt
tief in der Vergangenheit: Der Verein konnte in seinen jungen Jahren
zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Rahmen der Hannoveraner
Stadtmeisterschaft nicht in Grün auflaufen, weil diese Farbe bereits an
den Lokalrivalen FSV 1897 vergeben war. Und bei dieser „Verkleidung“
ist es bis heute geblieben. Dem Lokalrivalen und ehemaligen
Zweitligisten Arminia Hannover erging es ähnlich: Dessen
Vereinsfarben Grün-Weiß-Grün spielen aus demselben Grund auf dem
Platz keine Rolle: Die Arminia läuft seit jeher ganz in Blau auf.




Fair geht vor




Wenn es einen Fairplay-Preis des 20. Jahrhunderts gäbe, müsste er an den

„großen HSV“ gehen. 1922 klafft in der Ehrentafel der Deutschen
Fußballmeister eine Lücke, denn der Hamburger SV verzichtete
freiwillig auf den Titel. Nachdem man sich in zwei Finalspielen jeweils
unentschieden vom 1.FC Nürnberg getrennt hatte (2:2 n.V. und 1:1 n.V.),
erklärte der DFB die Rothosen zum Sieger. Es wäre die erste Meisterschaft
der HSV-Geschichte gewesen. Schon ein Jahr später wurde die Feier
nachgeholt: mit einem 3:0 über Union Oberschöneweide, den Vorläuferclub
des 1. FC Union Berlin.

Wir bleiben unter uns

Nach der sensationellen 0:1-Niederlage der Squadra Azzurra bei
der WM in England gegen Nordkorea reagierte der italienische
Fußballverband mit einer drastischen Maßnahme: Ab der Spielzeit
1966/67 wurde den Vereinen der Serie A untersagt, ausländische
Fußballprofis unter Vertrag zu nehmen. Vom ausschließlichen Einsatz
einheimischer Spieler sollte auch die Qualität der Nationalelf
profitieren. Die Ausländersperre galt 14 Jahre lang, bis 1980. Erst mit
Verspätung verbuchten die Befürworter einen späten Erfolg: mit dem
3:1-Sieg von Rossi, Conti, Tardelli & Co. im 1982er WM-Finale gegen
Deutschland.

Schnaps ist Schnaps

Eine Trikotwerbung, die vom DFB verboten wurde, bescherte
sämtlichen Beteiligten dennoch größtmögliche Aufmerksamkeit. Mal
gewollt, mal ungewollt. Vor der Saison 1987/88 hatte der saarländische
Erstligist FC Homburg einen Kondomhersteller als Trikotsponsor
gewonnen. Zu einer Zeit, da Bier- und Schnapswerbung auf
Spielerbrüsten ohne Wenn und Aber als normal und legal galt, verbot
der DFB unter Führung seines Liga-Ausschuss-Vorsitzenden Gerhard
Mayer-Vorfelder den Homburgern ihre Aufschrift wegen angeblich
unsittlicher Umtriebe und drohte bei Zuwiderhandlung mit
Punktabzügen. Der FCH lief zunächst mit einem schwarzen
Zensurbalken auf, was dem DFB erneut missfiel. Mayer-Vorfelder zog
sogar in Erwägung, das Tragen eines schwarzen Balkens als unsittlich
verbieten zu lassen. Dann zogen die Grün-Weißen vor ein ordentliches
Gericht und klagten. Mit Erfolg: Das Landgericht in Frankfurt am Main
konnte keinerlei sittliche oder moralische Verfehlungen feststellen.


Wind of Change

Ein Begriff, zweierlei Maßstäbe: Als 1982 in Kassel der
Amateurfußballclub FSC Dynamo Windrad gegründet wurde, wurde
ihm die Aufnahme in den Hessischen Fußballverband verweigert.
Begründung: Der Namensteil Dynamo sei ein politischer Begriff aus
den Staaten des Warschauer Pakts und daher im bundesdeutschen
Sportwesen nicht statthaft. Jahrelang prozessierte der Verein gegen
diese Entscheidung, verlor jedoch in sämtlichen Instanzen bis hin zum
Oberlandesgericht in Frankfurt. Erst als 1989 die Mauer fiel, drehte sich
der Wind: Der DFB hatte keinerlei Interesse daran, den achtfachen
DDR-Meister Dynamo Dresden, der sich zusammen mit Hansa
Rostock 1991 für die Bundesliga qualifiziert hatte, zur
Namensänderung zu bewegen. Also war es auch kein Problem mehr
für den Hessischen Fußballverband, den FSC Dynamo Windrad mit
vollem Namen als Mitglied aufzunehmen.

Falsches Timing I



„Ich kann mir nicht vorstellen, dass man in Deutschland dafür bestraft
wird, wenn man die Wahrheit sagt.“ Sprach Torwartlegende Harald
„Toni“ Schumacher 1987 anlässlich der Veröffentlichung seiner
Memoiren. Das Büchlein namens „Anpfiff“ hätte Toni, Rückgrat der
letzten FC-Meistermannschaft von 1978, wohl besser erst nach Ende
seiner Karriere herausgebracht. Der DFB und die lieben Kollegen aus
der Bundesliga waren wenig erfreut über allerlei schlüpfrige
Enthüllungen über Ausflüge ins Rotlichtmilieu und Saufgelage bei
Trainingslagern der Nationalmannschaft sowie die Andeutung gängiger
Dopingpraktiken in der Liga durch Aufputschmittel. Schumacher flog
als Nummer eins aus der Nationalelf und erhielt nach 15 Jahren
Vereinszugehörigkeit und 422 Bundesligaspielen die fristlose
Kündigung beim 1. FC Köln. Erst ein Jahr zuvor war der Kölner Kapitän
zu Deutschlands „Fußballer des Jahres“ gewählt worden.



Falsches Timing II



Auch Schumachers Karriere als Trainer nahm ein ebenso jähes wie
einzigartiges Ende: 1999 beim SC Fortuna Köln. Er ist der einzige
Übungsleiter in der Geschichte des deutschen Profifußballs, der in der
Halbzeitpause eines Spiels entlassen wurde. Nachdem er seinen
Cheftrainer aus dem Südstadion hinauskomplimentiert hatte („Du hast
hier nix mehr zu sagen …“), setzte sich Präsident und Mäzen Jean
Löring zur zweiten Hälfte des Matchs der Fortuna gegen den SV
Waldhof Mannheim höchstpersönlich auf die Bank.



Falsches Timing III


Seine international spektakulärste Szene gestaltete Toni Schumacher
im Halbfinale der Fußball-WM 1982 gegen Frankreich in Sevilla. Die
beiden gehaltenen Elfmeter zum Finaleinzug fanden in der
internationalen Presse allerdings weniger Resonanz, denn da gab es
noch einen anderen Moment, der ihn zeitlebens verfolgen sollte: Seine
Aktion gegen den französischen Spieler Patrick Battiston, bei der er
den Ball vollkommen ignorierte, um stattdessen den gegnerischen
Mann in den Boden zu rammen, wurde von Fußballexperten aus
Brasilien, Belgien, Botswana und Bangladesh einstimmig als „Foul des
Jahrhunderts“ gebrandmarkt. Der Spieler des AS Saint-Etienne verlor
zwei Zähne und wurde bewusstlos mit einem Halswirbelbruch vom
Platz getragen. In Deutschland betrachtete man die Angelegenheit ein
bisschen anders. Hier lautete das Motto: Der Schiedsrichter hat’s nicht
gepfiffen, also war’s auch kein Foul.

Wunder gibt es immer wieder

Die bekanntesten Fußballwunder der Neuzeit sind die Last-Minute-
Entscheidungen in der Champions League. 1999 verlor der FC Bayern
das Finale gegen Manchester United trotz drückender Überlegenheit
mit 1:2, nachdem man bis kurz vor Schluss 1:0 geführt hatte. 2013
setzte sich Borussia Dortmund im Viertelfinal-Rückspiel beim 3:2 mit
zwei Treffern in der Nachspielzeit gegen den FC Malaga durch.

Die deutschen Fußballwunder der letzten Jahrzehnte werden jedoch in
erster Linie mit dem SV Werder Bremen und seinen „Wundern von der
Weser“ in Verbindung gebracht. Wer im Europacup gegen Werder
antrat, durfte sich trotz großer Vorsprünge nie sicher sein, auch
tatsächlich die nächste Runde zu erreichen. Im November 1987 kam
es zum ersten dieser Phänomene: Im Achtelfinalrückspiel des UEFA-
Cups gegen Spartak Moskau gewannen die Bremer bei dichtem Nebel
mit 6:2 nach Verlängerung. Nach dem Hinspiel lag man durch zwei
späte Gegentore bereits scheinbar aussichtslos 1:4 hinten. Ein Jahr
später trat man als Bundesliga-Champion im Landesmeisterpokal
gegen DDR-Meister Dynamo Berlin an und kassierte im Jahn-
Sportpark eine glatte 0:3-Hinspiel-Niederlage. Im Rückspiel gelang
mit „Fußball total“ ein legendäres 5:0. Ähnlich erging es dem späteren
französischen Serienmeister Olympique Lyon 1999 im UEFA-Cup.
Nach einem 0:3 an der Rhone gab’s ein 4:0 an der Weser. Mitunter
reichte aber auch schon mal eine Halbzeit, um einen knackigen
Rückstand wettzumachen. Im Viertelfinale der Champions League
1993/94 verzweifelte der belgische Traditionsclub RSC Anderlecht am
SV Werder: Nach einer 3:0-Halbzeitführung im Weserstadion feierten
die Fans der Lila-Weißen schon den Auswärtssieg. Nach der Pause
kassierten ihre Lieblinge dann noch fünf Stück.

Ein kleines Wunder entschied auch den Bundesliga-Aufstieg 1977:
Seinerzeit spielten die beiden Zweitplatzierten der zweigeteilten
Zweiten Liga Nord und Süd den dritten Aufsteiger aus. Nach dem
4:0-Heimsieg fühlten sich die Fans der Bielefelder Arminia Ende
Mai schon in der Ersten Liga. Aber der TSV 1860 München schaffte
doch tatsächlich im Rückspiel ebenfalls ein 4:0. Damit kam es zu
einem Entscheidungsmatch auf neutralem Platz im Frankfurter
Waldstadion, in dem sich die Sechziger mit 2:0 durchsetzten.

Gut ausgeleuchtete Ecken



Um die Fans an Abendspiele nach Sonnenuntergang zu gewöhnen,
organisierten mehrere Vereine aus verschiedenen deutschen
Oberligen in den fünfziger Jahren den sogenannten Deutschen
Flutlichtpokal. Das erinnert ein wenig an den Erfinder des
Einkaufswagens, Sylvan Goldman aus Oklahoma City, der in seinem
Supermarkt zu Anfang bezahlte Einkaufswagenschieber beschäftigte,
weil sich die Kunden 1937 noch nicht trauten, die Drahtkörbe mit
Rollen selbst durch die Regalreihen zu schubsen. Aber zurück
zum Flutlicht: Der DFB gestattete für den Lampen-Wettbewerb eine
einmalige Regeländerung, denn bei unentschiedenem Spielstand
wurde jene Mannschaft zum Sieger erklärt, die mehr Eckbälle
herausgeholt hatte. Erster Champion war 1957 die Frankfurter
Eintracht nach zwei Unentschieden und 8:6 Ecken gegen Schalke 04.
1958 holte sich Lokalrivale Kickers Offenbach den Leuchtmittel-Cup.
1959 wurde der Wettbewerb wieder eingestellt. Aber damals trafen sich
die beiden Erzrivalen ohnehin bei Tageslicht in Berlin, als die Eintracht
beim 5:3 ihren ersten und einzigen Deutschen Meistertitel holte. Für die
Kickers war es nach dem verlorenen Endspiel von 1950 gegen den VfB
Stuttgart (1:2) die zweite Vizemeisterschaft.


Rekordjäger unter sich


Vor dem Zweiten Weltkrieg beherrschten Clubs wie der 1. FC
Nürnberg, Schalke 04, der Hamburger SV, Hertha BSC und die
Spielvereinigung Fürth die Endrunden um die Deutsche Meisterschaft.
Der erste Meistertitel 1932 ließ nicht einmal ansatzweise erahnen, dass
der FC Bayern München einmal zum deutschen Rekordmeister mit 23
Titeln avancieren würde. Noch im Jahr 1985 hieß der Rekordmeister 1.

FC Nürnberg mit neun Titeln, gefolgt von Schalke mit sieben
Meisterschaften. Mittlerweile wurden die Gelsenkirchener von
Ruhrpottkonkurrent Borussia Dortmund mit acht „Salatschüsseln“
überholt, die allesamt nach dem Krieg gewonnen wurden.
Rekordmeister des DDR-Fußballs ist der Berliner FC Dynamo mit zehn
Titeln, die auch noch in Serie von 1979 bis 1988 errungen wurden.
Allerdings wurde der Lieblingsclub von Stasi-Chef und „Mäzen“ Erich
Mielke nie den Ruch los, seine Erfolge seien auch durch diverse
wohlwollende Schiedsrichterentscheidungen zustande gekommen.

Heimatlose Traditionsvereine
Der fünffache belgische Meister FC Lüttich, Lokalrivale von Standard
Lüttich, erlebte in den frühen neunziger Jahren einen beispiellosen
Niedergang. Seit 1945 war der Club ununterbrochen in der ersten
belgischen Liga vertreten. Nach der Insolvenz und dem Abriss des
vereinseigenen Stadions Velodrome de Rocourt, auf dessen Gelände
ein Kino entstand, wurden die treuesten Fans 1994 für die Heimspiele
gegen Anderlecht, Standard oder den FC Brügge noch mit Bussen ins
benachbarte Ans gebracht. Aber ohne Heimat war der sportliche
Niedergang unvermeidlich. Der Pokalsieger von 1990 und Ex-Verein
von Jean-Marc Bosman pendelt seit 1995 zwischen der zweiten und
der vierten Liga. Ein eigenes Stadion hat er nach wie vor nicht.

Auch die Anhänger des englischen Traditionsclubs Brighton & Hove
Albion waren lange Zeit obdachlos. Nachdem der Goldstone Ground,
seit 1902 Heimat des Vereins mit über 2.100 Matches, 1996 vom
Vorstand ohne Rücksprache mit den Fans verkauft worden war (die
Erlöse der Grundstücks-Spekulation sollen nicht dem Club, sondern in
erster Linie dessen Anteilseignern zugute gekommen sein), mussten
die Fans jahrelang zu „Heimspielen“ ins 100 Kilometer entfernte
Gillingham fahren, bevor man in Brighton auf dem Gelände eines
ehemaligen Zoos unterkam. Unter anderem einer groß angelegten
Spendenkampagne der Fans ist es zu verdanken, dass Albion seit
2011 wieder über eine Heim-Arena verfügt, das Falmer Stadium.


Noch härter traf es die Fans des Freiburger FC, des Deutschen
Meisters von 1907, der 1969 nur denkbar knapp den Aufstieg in die
Bundesliga verpasste. Parallel zum Aufstieg des kleinen Lokalrivalen
SC Freiburg begann der Niedergang des FFC. Zu Beginn der achtziger
Jahre spielte man noch Derbys in der Zweiten Liga Süd. Mehrere
Abstiege bis in die Verbandsliga Südbaden und finanzielle Engpässe
zwangen den FFC 1999 dazu, sein 1922 eröffnetes Möslestadion an den
Sportclub zu verkaufen, der auf dem Traditionsgrund seine
Nachwuchsakademie hochzog. Erst seit 2008 hat der FFC mit dem
Freiburger Stadion im Dietenbach wieder eine eigene Spielstätte.

Fern der Heimat
Der 1889 gegründete Fußball-Club aus Londons Tennis-Vorort
Wimbledon existierte lediglich bis zum Jahr 2004. Seitdem heißt er
Milton Keynes Dons FC, denn er musste sich nördlich von London eine
neue Heimat suchen. Das Drama des Vereins begann nur drei Jahre
nach seinem größten Triumph 1988, dem Gewinn des englischen
Pokals in Wembley mit einem 1:0 gegen den FC Liverpool: 1991
wurden alle Teams der oberen Ligen angehalten, ihres Spiele
ausschließlich in reinen Sitzplatzstadien auszutragen. Der FCW verließ
also nach 80 Jahren seine Traditions-Spielstätte an der Plough Lane,
um sich mit Lokalrivale Crystal Palace dessen Stadion zu teilen. Diese
Vereinbarung lief 2003 aus, und der Club zog in die 90 Kilometer
entfernte, künstliche Vorstadt Milton Keynes. Die Fans des FCW
machten diese Reise nicht mehr mit und gründeten einen neuen Club,
den AFC Wimbledon, der in den neunten Liga begann und sich
mittlerweile mit fünf Aufstiegen in den englischen Profibereich
vorgespielt hat. Derzeit plant der AFC einen Stadion-Neubau direkt
neben dem 2002 abgerissenen Stadion an der Plough Lane.


Das vereinseigene echte Fußballstadion des SV Waldhof Mannheim
galt nach den Vorschriften des DFB als nicht bundesligatauglich. Also
zog der Stammverein von Sepp Herberger nach dem Bundesliga-
Aufstieg 1983 ins brach liegende, 40.000 Fans fassende Südweststadion
von Mannheims Zwillingsstadt Ludwigshafen auf der anderen Rheinseite.
Das wiederum verstieß erneut gegen die Vorschriften, denn Ludwigshafen
gehört als Rheinland-Pfälzer Gemeinde nicht zum Einflussbereich des
Badischen Fußballverbands. Aus Kostengründen zog man für die siebte
und letzte Bundesligasaison 1989 mit einer weiteren Ausnahmegenehmigung
wieder ins Waldhöfer Stadion am Alsenweg. Auch der Umzug ins 1994 neu
gebaute Carl-Benz-Stadion verlief nicht problemlos, denn jetzt klagten
die Anwohner einer Bungalowsiedlung vor Gericht ihre verdiente
Friedhofsruhe ein, denn der fürchterliche Lärm bei Heimspielen war den
Nachbarn nicht zuzumuten. Es ging dabei übrigens nicht um Fangesänge,
sondern um die Lautsprecheranlage. Da seither nur 27 Betriebstage pro
Jahr gestattet sind, war es der Stadt Mannheim nicht möglich, das
Stadion gleichzeitig dem SV Waldhof und dessen Lokalrivalen VfR zur
Verfügung zu stellen.

Europacup kurios

Der 1. FC Köln wurde 1986 von der UEFA bitter bestraft: Er durfte das
einzige Europacupfinale seiner Geschichte nicht im eigenen Stadion
austragen. Kölner Hooligans hatten durch Gewalt und Randale beim
Halbfinale im belgischen Waregem die Verantwortlichen der UEFA
förmlich zu diesem Schritt provoziert. Ein Jahr nach der Katastrophe
beim Landesmeisterfinale zwischen Liverpool und Juventus Turin in
Brüssel mit 39 Toten und Hunderten von Verletzten griffen die
Verantwortlichen hart durch: Sie belegten die Kölner für ihr
Rückspiel im UEFA-Cup-Finale mit einer Platzsperre und entschieden,
dass der FC sein „Heimspiel“ gegen Real Madrid in mindestens 400
Kilometern Entfernung austragen musste. Das Berliner Olympiastadion
war allerdings eine denkbar schlechte Wahl. Die Berliner Fußballfans
ließen den FC links liegen. Vier Fünftel der Ränge blieben leer.
Lediglich 16.000 Zuschauer erlebten das 2:0 mit. Vor dieser
Geisterkulisse fehlte den Kölnern das letzte Quäntchen Leidenschaft,
um das 1:5 aus dem Hinspiel im Bernabeu-Stadion noch ausgleichen zu können.


Wie stark man mit den eigenen Fans im Rücken einen solchen Rückstand
aufholen kann, hatte der Gegner selbst vorgemacht: Nach einem 1:5 bei der
Mönchengladbacher Borussia im Achtelfinale hatten die Medien der spanischen
Hauptstadt das Motto „Wir gewinnen 4:0!“ ausgerufen. Und genau dieses
Wunschergebnis kam zustande – nicht zuletzt dank der fanatischen Anhänger,
die ihre Mannschaft 90 Minuten lang nach vorne peitschten. Am Ende reichte
bei diesem 5:5 Reals Auswärtstor im Düsseldorfer Rheinstadion zum Weiterkommen.


Noch ein bisschen mehr Glück hatte der leidenschaftlich kämpfende spanische
Vertreter im Europapokal der Pokalsieger 1995, Real Zaragoza: In der 120.
Minute des Finales gegen Arsenal London im Pariser Prinzenpark zimmerte der
marokkanische Spieler Nayim beim Stand von 1:1 einen schier unglaublichen Ball –
50 Meter weit, 20 Meter hoch – im Stil eines Verzweiflungsschlags Richtung
Englands Nationalkeeper. Die Kugel rauschte in perfektem Bogen aufs Tor zu,
David Seaman unterschätzte die Flugbahn, stolperte nach hinten und landete
zusammen mit dem Spielgerät im Netz. Ein hochverdientes Happy End.

Underdogs im Europacup



Underdogs haben immer wieder mal eine legendäre Serie hingelegt.
Beispielsweise der baskische Club Deportivo Alaves, der 2001 das
Dortmunder Finale im Uefa-Cup erreichte und höchst unglücklich durch
ein Golden Goal per Eigentor gegen den FC Liverpool mit 4:5 verlor.
Selbst die Liverpooler Fans feierten während des Matchs Spieler und
Fans des Gegners aus Vitoria. Der kurze Ruhm brachte dem Verein
kein Glück: Nach zwei Abstiegen bis in die dritte Liga ist man
mittlerweile wieder in der zweiten spanischen Liga vertreten.



Der ungewöhnlichste Club in einem Uefa-Cup-Finale war sicherlich der
SC Bastia von der Insel Korsika – der den Titel 1978 in zwei Finals
(0:0 und 0:3) gegen den PSV Eindhoven verpasste. In den ersten drei
Runden gewannen die Korsen um den holländischen Starstürmer
Johnny Rep sämtliche Spiele gegen Sporting Lissabon (3:2 und 2:1),
Newcastle United (2:1 und 3:1) und den AC Turin (2:1 und 3:2). Dabei
beendeten sie eine grandiose Serie: Die Turiner waren zuvor zwei
Jahre lang ohne jegliche Heimniederlage in sämtlichen Wettbewerben
geblieben. Erst gegen den FC Carl Zeiss Jena „gönnte“ man sich nach
dem berauschenden 7:2-Hinspielsieg ein 2:4 auf dem Ernst-Abbé-
Sportfeld. Und im Halbfinale reichte nach einem 1:0 zu Hause ein 2:3
bei Grasshopper Zürich zum Finaleinzug. Berühmt wurde die
Siegesserie des SC allerdings durch seine Fans und sein kaum
drittligataugliches Stadion, das Stade Armand Cesari. Die
ununterbrochen brüllenden, hopsenden und gestikulierenden Anhänger
des Clubs gehörten zu den begeisterten Pionieren der Pyrotechnik und
jagten quasi während des gesamten Spiels Böllerschüsse, Knallfrösche
und Silvesterraketen in die Luft. Dagegen war der Betzenberg ein Ort
der stillen Einkehr. Manche Vereine der französischen Liga zogen es
vor, lediglich ihre Reserveteams in der „Hölle“ des Armand Cesari
antreten zu lassen. Die Uefa beantwortete das Spektakel der Fans mit
immer höheren Geldstrafen. Der Vorstand unternahm allerdings nichts,
zahlte stets pünktlich die „Knöllchen, und beim nächsten Spiel stand
der „zwölfte Mann“ voll motiviert wieder hinterm Zaun. Inklusive
Bomben, Rauch und Feuer …

Der Fluch der Pokalsieger



Der 1999 zum letzten Mal ausgespielte Europapokal der Pokalsieger
war während seiner gesamten Geschichte mit einem kuriosen „Fluch“
belegt: Nicht ein einziger Gewinner konnte seinen Titel verteidigen. Am
nächsten kam diesem Ziel noch der belgische Spitzenclub RSC
Anderlecht mit drei Finalteilnahmen in Folge. Allerdings verloren die
Lila-Weißen ausgerechnet das mittlere Endspiel: 1977 in Amsterdam
mit 0:2 gegen den HSV. 1976 hatten sie das Finale „zu Hause“ in
Heysel in berauschendem Stil mit 4:2 gegen West Ham United für sich
entschieden. 1978 ließen sie Austria Wien beim 4:0 in Paris nicht den
Hauch einer Chance. Gleich zur Premiere des Wettbewerbs startete der
AC Florenz das Gesetz der schwarzen Serie. 1961 glückten in Hin- und
Rückspiel zwei Siege gegen die Glasgow Rangers (2:0 und 2:1), 1962
unterlag man Atletico Madrid nach einem 1:1 n.V. im Wiederholungsspiel
mit 0:3. Atletico wiederum wurde von Tottenham Hotspur 1963 mit 1:5 zerlegt.
Auch Ajax Amsterdam, der AC Milan, der AC Parma, der FC Arsenal und Paris
Saint-Germain gingen im zweiten Jahr mit Silbermedaillen nach Hause. Milan
holte den Pott 1973 gegen Leeds United (1:0) und verlor 1974 vor der
Minuskulisse von nur 6.400 Zuschauern in Rotterdam 0:2 gegen den 1. FC
Magdeburg, dessen Fans die DDR nicht verlassen durften – ebenso wie die
Anhänger von Carl Zeiss Jena (1981 beim 1:2 gegen Dynamo Tiflis vor
9.000 in Düsseldorf) und Lok Leipzig (1987 beim 0:1 gegen Ajax Amsterdam im
halb gefüllten Athener Olympiastadion). Auch Ajax traf danach der Fluch: 1988
verlor man 0:1 gegen den belgischen Underdog KV Mechelen in Strasbourg. Parma
gewann 1993 gegen den FC Antwerpen 3:1 und unterlag Arsenal 1994 mit 0:1.
Arsenal wiederum ging mit dem spektakulärsten Gegentor der Europacup-
Finalgeschichte gegen Real Zaragoza 1995 in der 120. Minute 1:2 unter
(Nayims 50-Meter-Bogenlampe gegen Englands Keeper David Seaman). PSG siegte
1996 1:0 gegen Rapid Wien und verlor 1997 0:1 gegen den FC Barcelona. Ein
Verein kam indes gar nicht dazu, seinen Titel zu verteidigen: Beim 3:2 der
Glasgow Rangers in Barcelonas Nou Camp gegen Dynamo Moskau stürmten Hunderte
von Rangers-Fans in der 89. Minute den Platz und lernten die Militärpolizei
von Diktator Franco kennen. Rangers-Kapitän John Creig bekam den Pokal später
in den Katakomben des Stadions überreicht. Die Uefa reagierte hart und sperrte
die Blauen für die Folgesaison 1972/73.

Unschlagbar I



Nach der Fußball-WM 1990 hatte Teamchef Franz Beckenbauer im
Überschwang des Erfolges und mit dem Wissen, dass nach der
Wiedervereinigung etliche Spitzenspieler der aufgelösten DDR-
Nationalmannschaft zum DFB-Team stoßen würden, launig festgestellt,
dank dieser Perspektiven sei die deutsche Mannschaft „auf Jahre
hinaus unschlagbar“. Bereits am 10. Oktober 1990 gab es ein 1:3
gegen Schweden, und spätestens nach der 0:2-Finalniederlage gegen
die in Badeschlappen und mit Bierbäuchen angetretenen Dänen bei
der EM 1992 wurde Deutschlands Fußball-Lichtgestalt nicht mehr ganz
so gerne auf seine Prophezeiung angesprochen.



Unschlagbar II


Über 50 Jahre zuvor hatten der deutsche und der österreichische
Fußball eine ganz andere, nämlich unfreiwillige Vereinigung zu
vollziehen. Auf Befehl Hitlers sollte nach der Annektierung
Österreichs durch das Deutsche Reich 1938 eine unschlagbare
großgermanische Mannschaft beim WM-Turnier in Frankreich antreten.
Die erwünschte Verstärkung der eher mittelprächtigen DFB-Elf durch
Spieler des berühmten österreichischen „Wunderteams“ wurde zum
Bumerang, zumal sich der Superstar der 30 Jahre und einer der
größten Fußballer aller Zeiten, Austria Wiens Spielmacher Matthias
Sindelar, ein mutiger Antifaschist, strikt weigerte, für das von
Reichstrainer Sepp Herberger zusammengestellte Team aufzulaufen.
Gleich das erste Match des Turniers, das im K.o.-Modus ausgetragen
wurde, ging mit 1:1 n.V. und 2:4 im Wiederholungsspiel gegen die
Schweiz daneben.


Unschlagbar III



Wie man mit unschlagbaren Wunderteams umgeht, hatte Sepp Herberger
16 Jahre nach der Pleite von Paris weit besser im Griff. Resultat:
Der Klassiker des Fußballwunders im WM-Finale 1954. Vorangegangen
war Herbergers gewitzte Finesse: Beim Vorrundenspiel gegen die
schier übermächtigen Ungarn, die 1953 mit dem 6:3 in Wembley
Englands scheinbar ewigen Heimnimbus zerfetzt hatten, schonte
der Mannheimer Fußballphilosoph seine Topspieler und ließ den
„zweiten Anzug“ auflaufen. Die Deutschen Reservisten liefen dem
Tiki-Taka der Ungarn hinterher, die Magyaren freuten sich über
eine lockere Trainingseinheit und gewannen am Ende mit 8:3. Die
Sportpresse war entsetzt. Vereinzelt wurde gar die Entlassung des
Trainers gefordert. Dann ließ man die Ungarn im Finale mit 2:0 in
Führung gehen, um anschließend mit drei Treffern selbst den Titel
zu holen.

Kontrolliert offensiv

Meistertrainer Otto Rehhagel feierte mit Werder Bremen märchenhafte
Erfolge – von denen ehemalige Siegerclubs wie Hertha BSC, Schalke 04,
der 1. FC Köln oder der Hamburger SV seit Jahrzehnten träumen. Sein
Motto lautete: „Wir richten uns nicht nach dem Gegner, sondern der
Gegner hat sich nach uns zu richten.“ Mit dieser positiven Arroganz –
und seiner „kontrollierten Offensive“ – machte er den SV Werder für
viele Jahre zum Nachfolger von Hennes Weisweilers Mönchengladbacher
Borussia als Deutschlands spektakulärstem Fußball-Ereignis.


Knochenhart defensiv

Rehhagels eigene Spielerkarriere ließ derlei offensive Feinheiten
allerdings noch nicht vermuten. Zusammen mit dem späteren Dauertrainer
des FC Homburg und König der Sprücheklopfer Uwe Klimaschewski bildete
Otto beim 1. FC Kaiserslautern in den sechziger Jahren das
gefürchtetste Defensiv-Duo der Bundesliga, ganz nach dem Geschmack des
FCK-Mitspielers und späteren Präsidenten Atze Friedrich: „Bei uns gab
es keine Verletzungen. Bei uns gab es nur glatte Brüche.“ Später
relativierte Rehhagel seinen Ruf mit den Hinweis auf den damaligen
Bundestrainer, den sogenannten „Terrier“: „Wenn ein Stürmer gegen mich
keinen Stich bekam, nannte man mich einen brutalen Treter. Berti Vogts
machte groß nix anderes. Aber bei ihm hieß das: internationale Klasse!“


Konsequent intensiv


Einen ähnlichen Ansatz verfolgte auch Rehhagels Nachfolger als Top-
Verteidiger in Kaiserslautern, Walter Frosch, der in seiner Karriere
sowohl beim FCK als auch beim SV Alsenborn, beim FC St. Pauli und bei
Altona 93 zum Kultspieler avancierte. Als der überzeugte Kettenraucher und
bienenfleißige Sammler von Gelben Karten 1976 von Helmut Schöns Assistent
Jupp Derwall zu einem Spiel der B-Nationalmannschaft eingeladen wurde,
lehnte er der damalige Lauterer Bundesligaprofi mit den Worten ab:
„Ein Walter Frosch spielt nur in der A-Mannschaft oder in der Weltauswahl.“
Danach blieb ihm nur noch die Weltauswahl.

Glühwürmchen in Zürich



Die blitzgescheiten Vordenker der FIFA dachten sich im Herbst 2012:
Früher Vogel fängt den Wurm! – und pickten daneben. Im Züricher FIFA-
Bunker entschied man nämlich gleich zwei Monate zu früh, die Kandidaten
für das „Tor des Jahres 2012“ zu benennen. Wenige Tage später schraubte
sich Schwedens Zlatan Ibrahimovic in Stockholm beim Match gegen England
akrobatisch in den Himmel und erzielte per Kung-Fu-Fallrückzieher das,
was für Fußballfans in aller Welt das Tor des Jahres war. Für die FIFA-
Funktionäre zu spät. Der Sieger des Puskas-Cups 2012 hieß Miroslav Stoch.
Der Slowake von Fenerbahce Istanbul gewann den Titel mit einem hübschen
Volleyschuss aus 22 Metern.


Farbenspiele


In München und Stuttgart gibt es „Blaue“ und „Rote“, in Mailand Rot-
Schwarz und Blau-Schwarz, in Essen Rot-Weiß und Schwarz-Weiß, in Rom
Himmelblau-Weiß-Schwarz (Lazio) und Purpur-Gold (AS Roma). Lediglich
in Rotterdam, wo neben dem großen Feyenoord auch die Fahrstuhlteams
Sparta und Excelsior immer wieder mal in der holländischen
Ehrendivision antreten, spielen die Farben in den Rivalitäten der
Clubs offenbar keine Rolle, denn alle drei Vereine tragen traditionell
Rot, Weiß und Schwarz.


Schmutzige Hattricks


In 208 der 209 Mitgliedsverbände des Weltfußballs sind drei Treffer
eines Spielers in einem Match ein Hattrick, egal wann sie während der
90 Minuten gefallen sind. Lediglich deutsche Hattrick-Juristen haben
das ungeschriebene Gesetz noch mit einem klein gedruckten Anhang versehen,
um der germanischen Gründlichkeit gerecht zu werden. Irgendein
Medienmensch, der sich nach Jahrzehnten nicht mehr ermitteln lässt,
erfand einst den Begriff „lupenreiner Hattrick“, nachdem einem Kicker
das Kunststück gelungen war, drei Bälle hintereinander ins Netz zu donnern,
ohne dass ihm die Halbzeitpause oder gar das Törchen eines anderen Spielers
dazwischen gekommen wäre. Sämtliche Berichterstatter aus dem Land der Dichter
und Denker griffen diese Formulierung begeistert auf. Und seitdem achten alle
Kommentatoren zwischen Elbe und Isar peinlich genau darauf, schmutzige Hattricks
als „Dreierpack“ abzuheften oder „schade, schade, leider schon wieder kein
Hattrick“ ins Mikrofon zu flöten.

Baden schlägt Schwaben

Das längste Elfmeterschießen in der Geschichte des DFB-Pokals
ereignete sich 1995 in Nordbaden. Seinerzeit besiegte der
zweifache Deutsche Amateurmeister SV Sandhausen den seinerzeit
vierfachen Deutschen Meister VfB Stuttgart mit 13:12. Nach 120
Minuten war das Match mit 2:2 zu Ende gegangen.

Die Null steht vorne

Es war eines der zähesten Landesmeister-Endspiele aller Zeiten:
120 Minuten lang stolperte der hoch favorisierte FC Barcelona
samt seinem Mittelfeldstar Bernd Schuster am 7. Mai 1986 im
Stadion von Sevilla über die Grashalme. Dann schlug die große
Stunde des Banater Schwaben Helmuth Duckadam im Tor von Steaua
Bukarest: Er hielt alle vier Elfer der Katalanen. Für den fünften
musste er nicht mehr ran. Steaua gewann dennoch nur mit 2:0,
denn auch zwei Rumänen schlotterten am Elfmeterpunkt die Knie.

Der teuerste Elfer


Den teuersten Elfmeter der Bundesligageschichte verschoss der zuvor
unfehlbare Bremer Abwehrchef Michael Kutzop am 33. Spieltag
der Saison 1985/86 in der 88. Spielminute beim Stand von 0:0 gegen
den FC Bayern. Wäre der Ball ins Tor statt an den linken Außenpfosten
gegangen, hätte Werder die Meisterschale sicher gehabt. Alle anderen
von Kutzops 40 Bundesliga-Elfmetern landeten im Netz. Am letzten
Spieltag gewann der FC Bayern mit 6:0 gegen Borussia Mönchengladbach
und holte sich den Titel bei gleicher Punktzahl per Tordifferenz,
weil die Bremer gleichzeitig beim VfB Stuttgart mit 1:2 unterlagen.

Gut gemauert

Die Fans von Oranje erlebten am 29. Juni 2000 etwas, das im Land des
„total football“ und seines Reservoirs an Weltklassestürmern undenkbar
schien: keine Tore der eigenen Mannschaft trotz hoch überlegenen Spiels.
Im Halbfinale der Heim-EM gegen die Maurermeister aus Italien schafften
die Holländer sogar das Kunststück, schon während der regulären Spielzeit
zwei Elfmeter zu verschießen. Zudem spielten sie ab der 34. Minute nach
dem Platzverweis von Italiens Zambrotta 86 Minuten in Überzahl. Im
Elfmeterschießen ging ebenfalls fast nichts: Von vier Schützen traf mit
Patrick Kluivert lediglich einer, und Italien, das ebenfalls einen Elfer
vergeben hatte, zog mit 3:1 ins Endspiel gegen Frankreich ein.

Drei Halbfinals, 26 Tore



Die beiden legendärsten Halbfinalspiele des DFB-Pokals fanden im
Jahr 1984 statt. Borussia Mönchengladbach führte bereits deutlich
mit 3:1, als der SV Werder in der zweiten Halbzeit innerhalb
weniger Minuten drei Tore erzielte. In der Nachspielzeit gelang
den Gladbachern noch das 4:4 und in der Verlängerung der Siegtreffer.
Einen Tag später trafen sich der damalige Zweitligist Schalke 04
und der FC Bayern im Gelsenkirchener Parkstadion. Die Bayern
führten bis weit in die zweite Hälfte hinein mit 2:0, bis die
Schalker das Spiel drehten. Auch hier stand es nach 90 Minuten
4:4. In der Verlängerung fielen weitere vier Treffer. Dem 17-
jährigen Schalker Olaf Thon war es vorbehalten, mit einem satten
Schuss ins lange Eck – seinem dritten Treffer – in der 120.
Minute das 6:6 zu erzielen. Da DFB-Pokal-Spiele seinerzeit noch
per Wiederholungsspiel entschieden wurden, trafen beide Teams eine
Woche später in München erneut aufeinander. Auch hier hatten die
hoch favorisierten Bayern große Mühe und gewannen nur knapp mit 3:2.


Lothar haut drüber


Das Finale 1984 schrieb seine eigene Geschichte. Der bevorstehende
Wechsel von Lothar Matthäus von Borussia Mönchengladbach zum FC
Bayern machte vor und nach dem Match Schlagzeilen. Das Spiel im
Frankfurter Waldstadion endete mit 1:1 nach Verlängerung. Matthäus‘
letzter Ballkontakt für Gladbach war gleichzeitig der erste Anlauf
im Elfmeterschießen. Der Ball ging über die Latte. Bayern gewann am
Ende mit 7:6.


Weiche Knie beim HSV


Die erste große Sensation der jüngeren DFB-Pokal-Geschichte ereignete
sich 1974 im Badenerland, als Bundesliga-Tabellenführer Hamburger SV
in Runde zwei beim viertklassigen VfB Eppingen mit 1:2 unterlag. Die
Eppinger schafften es im Sog dieses Erfolgs mit zwei Aufstiegen bis
in die Zweite Liga Süd. Das Kunststück „Pokal-Aus in der Provinz“
wiederholten die Rothosen 1984 ein zweites Mal im Schwabenland, als
die große Mannschaft unter Trainer Ernst Happel, immerhin 1983
Europacupsieger der Landesmeister, verdient mit 0:2 beim viertklassigen
SC Geislingen aus dem Wettbewerb flog.

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